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Aloha aus Heilbronn

Schriftsteller Cihan Acar über seinen Roman „Hawaii“

Für die meisten Menschen bedeutet Hawaii Traumurlaub in der Südsee, Sandstrände und Sonne satt. Heilbronner verbinden damit aber außerdem das Viertel zwischen Christophstraße und Ellwanger Straße, das lange Zeit den Ruf als sozialer Brennpunkt hatte. In eben diesem Hawaii-Viertel spielt der Debütroman von Cihan Acar, der das Quartier zur Kulisse einer Geschichte über Verbundenheit und Veränderung macht.


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Du hast bereits zwei Sachbücher – über Galatasaray und Hip Hop – verfasst. Außerdem hast du auch als Journalist für die dpa gearbeitet. Wie kam es zustande, dass du mit „Hawaii“ jetzt deinen ersten Roman geschrieben hast?
Ich wusste schon früh, dass ich irgendwann mal eine Geschichte schreiben wollte. Anfangs war ich mir aber noch nicht sicher, ob es ein Drehbuch oder ein Roman werden sollte. Dann kam noch dazu, dass ich erst mal gar keine Ahnung davon hatte, wie man eine Geschichte schreibt und was alles dazu gehört. Deshalb hat es dann auch viele Jahre gedauert, bis sich das Ziel verwirklicht hat.

Wie ist die Geschichte entstanden, die du in „Hawaii“ erzählst?
Ich habe gemerkt, dass es mir hier in meiner gewohnten Umgebung schwerfiel, mich auf das Schreiben zu konzentrieren. Deshalb bin ich für ein halbes Jahr nach Berlin gezogen und habe mir vorgenommen, danach mit einem fertigen Roman zurückzukehren. Es waren dann aber leider nur ein paar Kapitel, den Rest musste ich doch hier zu Ende schreiben. Aber die Zeit in Berlin war trotzdem wichtig für mich, weil es aus der Ferne irgendwie einfacher war, über die Region zu schreiben, in der ich aufgewachsen bin.

Cihan Acar - 2

Dein Roman ist eine Momentaufnahme, zwei Tage und drei Nächte im Leben des Heilbronners Kemal Arslan. Gibt es dabei für dich trotzdem so etwas wie eine übergeordnete Message?
Es gibt ein paar wichtige Themen, aber das wichtigste ist wahrscheinlich Zugehörigkeit. Der Erzähler der Geschichte kommt zurück in seine Heimatstadt und merkt, dass die Stadt und er sich in der Zwischenzeit verändert haben, und er fragt sich, wo oder bei wem er dazugehört.

Wie hast du bisher das Feedback auf das Buch von Leuten erlebt, die Heilbronn nicht kennen? Das Setting unterscheidet sich ja schon von Geschichten, die in Städten wie zum Beispiel Berlin oder Frankfurt spielen, also Orten, mit denen jeder etwas anfangen kann.

Das Feedback darauf war zum Glück sehr positiv. Viele haben mir gesagt, dass sie schon genug Bücher gelesen haben, die in Berlin spielen, und ihnen deshalb Heilbronn als eher ungewöhnlicher Handlungsort gut gefallen hat.

Wenn du wieder ein „111 Gründe“-Buch schreiben würdest, was wäre dieses Mal das Thema und wieso?
Das müsste ich mir echt gut überlegen, weil ich mir dann wieder ständig irgendwelche 111-Gründe-Sprüche anhören müsste. Wenn ich irgendwo zu spät komme, ruft dann wieder einer: „Schreib mal lieber 111 Gründe, pünktlich zu sein!“ Und so weiter. Aber falls doch, dann würde ich wohl eine Stadt nehmen, in der ich vorher noch nie war. Ich würde dort einige Zeit verbringen und Gründe sammeln, die diese Stadt ausmachen, und dann das Buch dazu schreiben.

[FD]

Fotos: © Robin Schimko



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