„Die Odyssee“ von Christopher Nolan demonstriert die Sinnlosigkeit von Krieg
Christopher Nolan wagt sich mit seinem neuesten Film an die Umsetzung von Homers Odyssee. Mit einem unglaublich Produktionsaufwand und als erster komplett mit IMAX-Kameras gedrehter Spielfilm wirkt alles an diesem Werk gigantisch. Doch „Die Odyssee“ bietet viel mehr als beindruckende Bilder.

Odysseus (Matt Damon) tritt nach dem zehnjährigen Krieg gegen Troja zusammen mit seinen Soldaten die Heimreise nach Ithaka an. Er ahnt noch nicht, dass diese Heimreise weitere zehn Jahre beanspruchen wird und er sich auf die titelgebende Odyssee begibt. Auf seiner Heimatinsel buhlen derweil verschiedene Freier um die Hand seiner Frau Penelope (Anne Hathaway), um seine Herrschaft über Ithaka zu übernehmen. Allen voran Antinoos (Robert Pattinson), der im direkten Konflikt mit Telemachos (Tom Holland), dem Sohn von Odysseus, steht.

Ein Abgesang auf Kriege und Krieger
Ein bei Christopher Nolan wiederkehrendes Motiv ist auch hier das eines Genies, dessen Handeln jedoch unbeabsichtigte Ereignisse in Gang setzt. War es in „The Dark Knight“ die Überwachung der Menschen, in „Oppenheimer“ die Atombombe, sind es hier Tod und Zerstörung sowie ein nicht enden wollender Krieg. Die „Odyssee“ ist aber, mehr noch als die vorherigen Filme, ein Sinnieren über die eigene Schuld. Handlungen, die zunächst wie Triumphe der Klugheit wirken, erweisen sich im Rückblick als Ausgangspunkt von Tod und unermesslicher Zerstörung. So ist „Die Odyssee“ ein Abgesang auf Kriege und Krieger, auf Helden und Mythen, auf das eigene Scheitern und über die Menschheit selbst, die unaufhaltsam ihrem Untergang entgegensteuert.

Nolan inszeniert den Film in atemberaubenden Bildern, mit wahnsinnigen Kulissen und einem für ihn untypisch hohen Gewaltgrad. Viele Szenen wirken fast wie aus Horrorfilmen, aber die Glorifizierung bleibt aus. Die herausragende Erzählstruktur ist fragmentiert und lässt einen langsam in einen zwanzig Jahre dauernden Konflikt eintauchen. So wird klar, dass „Die Odyssee“ vor allem ein Antikriegsfilm ist. Die Erkenntnis, wie sinnlos, grausam und dumm Kriege sind und wer unter ihnen leidet, ist nicht neu. Aber in Zeiten, in denen ein Konflikt den nächsten jagt, um die Wette gerüstet wird, wegen dummer Entscheidungen und zu großer Egos dummer Männer und ihrer Gier, darf man die Menschen gerne noch einmal daran erinnern.
Der wahrscheinlich stärkste Film von Christopher Nolan seit langer Zeit. In „Die Odyssee“ schafft es der Regisseur, seinen monumentalen Bildern Gewicht und moralische Tiefe zu geben. Seit dem 16. Juli 2026 im Kino.
Text: Kai Möller | Bilder: Universal Pictures












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