Im Schatten der Diktatur

Wagner Moura in The Secret Agent

Der brasilianische Oscar-Beitrag „The Secret Agent“ überzeugt mit klarer Botschaft

Der Thriller des brasilianischen Regisseurs Kleber Mendonça Filho, der wie viele seiner Werke in seiner Heimatstadt Recife verwurzelt ist, konnte 2025 in Cannes und Anfang 2026 bei den Golden Globes wichtige Preise gewinnen. Wie sein Vorgänger „Bacurau“ ist er ein ungewöhnlicher, herausragender Film, der für viele bisher wohl unter dem Radar lief.

Die Handlung spielt im Jahr 1977. Sie begleitet den von Wagner Moura gespielten Professor Marcelo bei seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Recife. Unter einem Decknamen kommt er in einer privaten Unterkunft für Flüchtlinge unter. Lange bleibt unklar, vor wem er flieht und von wem die Bedrohung ausgeht. Nach und nach entfaltet sich ein Gesellschaftsbild Brasiliens zur Zeit der Militärdiktatur, in dem das Ausmaß von Verbrechen und Korruption immer deutlicher zum Vorschein kommt. Bereits die ersten Einstellungen des Films schaffen dabei eine einzigartige Atmosphäre, die an das europäische Western- und Agentenkino der 1970er Jahre angelehnt ist. Und gleichzeitig die drückende Hitze und das gleißende Licht Brasiliens spürbar macht.

Aus der Vergangenheit lernen

Wie schon „Bacurau“ ist „The Secret Agent“ ein politischer Film. Die Parallelen zur faschistischen Politik von Bolsonaro und Donald Trump sind klar erkennbar. Die erzählte Geschichte ist fiktiv, die Verfolgung von Andersdenkenden und Systemkritikern ist es nicht. Das Militär wird zur Unterdrückung eingesetzt, Aussagen von Personen in Machtpositionen sind rassistisch, frauenfeindlich und homophob. Auch wenn der Film einige verstörende Szenen und Gewaltspitzen enthält, gelingt es ihm dennoch, in einzelnen fast schon absurden Momenten humorvoll zu sein. Besonders hervorzuheben ist auch eine der letzten Rollen von Udo Kier, der als vermeintlicher Nazi lange im Gedächtnis bleibt. Durchgehend großartig ist Wagner Moura in der Hauptrolle, den man hierzulande wohl am ehesten durch seine Rolle als Pablo Escobar in der Netflix Serie „Narcos“ kennt.

„The Secret Agent“ ist kein einfacher Film. Die Handlung ist schwer zu durchschauen, vieles bleibt lange im Vagen. Und das Finale ist ein solcher Antiklimax, dass er viele Zuschauende mit einem großen Fragezeichen zurücklassen wird. Am Ende steht dennoch eine klare Botschaft: aus der Vergangenheit zu lernen und nicht in dieselben faschistischen Muster zurückzufallen.

Ein weiterer hervorragender Film von Kleber Mendonça Filho und eine klare Empfehlung für alle, die die Zeit und Geduld mitbringen, sich auf dieses Werk einzulassen. „The Secret Agent“ ist jetzt zum Stream verfügbar auf MUBI.

Text: Kai Möller | Bilder: Port au Prince Pictures