Eine Auszeit unter Tannen

Pop-Up-Hotel DAS SCHÖNE LEBEN

Was das Pop-Up-Hotel DAS SCHÖNE LEBEN im Schwarzwald besonders macht

Fernab des Alltagstrubels abschalten und Urlaub im Schwarzwald ganz neu erleben – das geht im Pop-Up-Hotel DAS SCHÖNE LEBEN. Inhaber Marcel Hajnal hat uns im April eingeladen, das Gasthaus selbst für zwei Tage zu testen. Eine willkommene Pause vom Redaktionsalltag, die wir natürlich gerne genutzt haben.

Am schönsten ist’s Daheim

Das Hotel DAS SCHÖNE LEBEN befindet sich in Hornberg, einem kleinen Städtchen mit gut 4.000 Einwohnern im Mittleren Schwarzwald. Die Altstadt liegt zwischen dem Eisenbahnviadukt der Schwarzwaldbahn und einer Schlossruine, umschlossen von dicht bewaldeten Tälern. In dieser malerischen Kulisse wuchs Marcel Hajnal auf, dessen Großeltern hier 1959 das Hotel Schondelgrund eröffneten. Später übernahmen die Eltern den Betrieb und bauten die Pension mit inzwischen drei Gästehäusern aus. Marcel, heute 37, zog es nach dem Abitur allerdings erst nach Freiburg, um Hotelmanagement zu studieren. Danach siedelte er für den Bachelor ins südenglische Brighton über und ging schließlich nach München, wo er im Hotel-Marketing arbeitete. Dem Ruf der Heimat folgte Marcel im Jahr 2022: Gemeinsam mit Partnerin Franca, einer echten Münchnerin, ging es zurück in den Schwarzwald.

Der Umzug aus der bayrischen Metropole war für die beiden ein kleiner Kulturschock. „Franca hat damals immer gesagt, es fühle sich ein bisschen an wie ein Zeugenschutzprogramm“, erzählt Marcel lachend. Der Neuanfang in Hornberg war für sie dennoch befreiend – während Marcel mit vielen neuen Erfahrungen ins Haus seiner Kindheit zurückkehrte. „Dass wir dann auch noch den Traditionsbetrieb mit unserem Konzept auf links gedreht haben, wurde im Dorf ziemlich kontrovers aufgenommen“, verrät er. Kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen, wenn man das einladende Haus am Rande von Hornberg betritt. Warme Terracotta-Fließen, Vintage-Teppiche, hohe Zimmerpflanzen, verspielte Holzmöbel und viel natürliches Licht: Da fühlt man sich direkt zu Hause.

Was ist eigentlich ein Pop-Up-Hotel?

Allerdings sah es hier nicht immer so aus. Über viele Jahrzehnte kamen vorrangig Senioren über Busreisen ins Hotel Schondelgrund. „Stereotyper Schwarzwaldtourismus“, wie Marcel sagt. „Aber den gibt es heutzutage nicht mehr in der Form, wie es in den Neunzigern der Fall war.“ Als die Frage aufkam, ob Marcel und Franca den Familienbetrieb übernehmen würden, war ein neues Konzept mit neuer Zielgruppe daher Grundvoraussetzung das Paar. Deshalb suchten sich die beiden einen Architekten, erarbeiteten einen Masterplan für ihre ganz eigene Vision – und machten Bekanntschaft mit der kommunalen Bürokratie. Um ihre Vision inklusive Umbauten rechtssicher umzusetzen, brauchten sie eine Baugenehmigung, auf die man schon mal vier, fünf Jahre wartet.

Während die Mühlen der Behörden mahlen, sprudelten bei Marcel und Franca bereits die Ideen. Also begannen sie, ihr Konzept schon einmal im bestehenden Gebäude umzusetzen. „So können wir im Kleinen ausprobieren, was wir hier langfristig aufbauen wollen“, erklärt Marcel. Mit einem Team aus zehn Leuten kümmert sich das Inhaber-Paar nun um die Gäste, die ihren Weg ins DAS SCHÖNE LEBEN finden. Eine Mitarbeiterin hat bereits ihre Ausbildung im Hotel gemacht und ist seit über 30 Jahren dabei. Während Marcel sich um das operative Geschäft kümmert, gibt Franca an den Wochenenden Yoga-Kurse. Familiär wie eh und je also.

Gaumenfreuden, Naturerlebnisse & Wellness

Der Speisesaal des Hotels versprüht mit Kuckucksuhren an der Wand authentischen Lokalkolorit. Dennoch ist die morgendliche Brotzeit alles andere als altbacken – neben deftigem Schwarzwälder Schinken gibt es vegane Aufstriche, frisches Obst, dazu Säfte, Tees und Kaffee. Abends serviert das Küchenteam im Salon Sepp – benannt nach Marcels Großvater Josef – „Black Forest Soul Food“ von Kürbis-Maultaschen bis Flammkuchen. In ausgewählten Zeiträumen kredenzt Köchin Songkran im Pop-Up-Restaurant PADA außerdem Thai-Fusion-Küche aus regionalen Zutaten.

Die Zimmer im DAS SCHÖNE LEBEN sind schlicht und kommen ganz ohne Fernseher aus. Dank natürlich-grünen Wandfarben, indirekter Beleuchtung und einem Blick auf den Schwarzwald ist es dennoch ausgesprochen heimelig. Hier sollen sich all jene wohlfühlen, die sich nicht einfach auf dem Hotelzimmer vom gleichen TV-Programm wie zu Hause berieseln lassen wollen. „Urlaub lebt ja auch davon, den Alltag hinter sich zu lassen und den Kopf frei zu bekommen. Wir legen deshalb mehr Wert auf öffentliche Begegnungsstätten wie die Bibliothek oder die Gärten“, erklärt Marcel.

Einer dieser Orte hört auf den Namen „Ernas Deli“: Im Retro-Kühlschrank stehen frische Getränke bereit, dazu gibt es selbstgebackene Cookies. In den Wandregalen reiht sich Lektüre vom klassischen Coffeetable-Book bis hin zum DDR-Kochbuch, auch Gesellschaftsspiele und Puzzles sind vorhanden. Vieles davon stammt übrigens aus dem persönlichen Fundus der Familie Hajnal, wie die Filzstiftmarkierung auf der beinahe antiken Fleetwood-Mac-Platte verrät. Wenn man es sich hier auf der Couch bequem macht, fällt der Blick durch die Glasfront des Haupthauses auf den Waldrand.

Wanderwege starten praktisch direkt am Hotel, auch für Radtouren eignet sich die Gegend bestens. Und nur wenige Kilometer entfernt liegt das malerische Örtchen Triberg mit Deutschlands höchsten Wasserfällen. Zurück im Hotel gibt es noch ein besonderes Schmankerl für Wellness-Fans: Mit charmantem DIY-Flair weist ein LED-Streifen den Weg vom Gästehaus zum Garten mit Whirlpool und Sauna. Den Tag im heißen Wasser ausklingen lassen, umgeben von Weißtannen und Fichten, das hat schon was.

Was die Zukunft bringt

„Der Umbruch von Alt zu Neu hat mich anfangs schon die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet“, verrät Marcel. Aber inzwischen funktioniert es. „Unser jetziges Publikum ist auf jeden Fall jünger und urbaner. Die Leute kommen zu uns, weil sie den Schwarzwald erleben und runterkommen wollen“, erklärt Marcel. Viele Gäste reisen aus den Metropolregionen Stuttgart, Heidelberg und Heilbronn an, für die der Schwarzwald nur ein, zwei Stunden entfernt liegt. Aber im gesichtslosen All-Inclusive-Hotel zu nächtigen, kommt für sie nicht in Frage. „Das ist die Nische, die wir besetzen wollen“, sagt Marcel. Tagungen und Konferenzen haben sich im letzten Jahr als ein weiteres Standbein entwickelt. Gerade kleine Agenturen, die unter der Woche Workshops, Workcations oder Team-Events durchführen, schätzen das moderne Flair des Pop-Up-Hotels.

In Sachen Umbau möchten sich Marcel und Franca darauf konzentrieren, vor allem den bereits vorhandenen Bestand zu modernisieren. „Auch aus persönlicher Sicht auf Nachhaltigkeit“, wie Marcel verrät. „Wir wollen erhalten, was sich erhalten lässt. Wenn wir alles abreißen und die gleiche Wand dann wieder neu hochziehen würden, wäre das vielleicht sogar günstiger. Aber dann blutet mein Öko-Herz“, lacht er.

Wir haben unsere Auszeit im Pop-Up-Hotel sehr genossen und traten tiefenentspannt die Heimreise nach Heilbronn an. Das entschleunigte Ambiente, in dem die Geschichte des Hauses auf neue Ideen trifft, machen DAS SCHÖNE LEBEN zum Geheimtipp im Schwarzwald. Perfekt unperfekt eben.

Text & Fotos: Florian Deckert

DAS SCHÖNE LEBEN

Schondelgrund 3
78132 Hornberg im Schwarzwald

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