PHONK. DER REPORTER | MADE IN HEILBRONN

Talkbox: Bist du kreativ?

Unsere Phonk-Ausgabe für August und September 2020 steht unter dem Thema “Kreativköpfe“. Passend dazu wollten wir deshalb in unserer Talkbox von den Heilbronner*Innen wissen, wie kreativ sie eigentlich sind.


Weitere Umfragen:

  1. Talkbox - Spontane Nettigkeiten
  2. Talkbox - Verreisen Urlaub daheim
  3. Talkbox - Ende Corona-Beschränkungen 2020

Talkbox - Bist du kreativ? (Edita)
Edita (27), Heilbronn

„Meine Berufung ist meine Leidenschaft. Als gute Friseurin gehört es meiner Meinung nach dazu, kreativ zu sein und seine Arbeit mit Leib und Seele auszuüben. Der Beruf einer Friseurin ist nicht nur ein Job, sondern eine handwerkliche Kunst, die Kreativität fordert. Ich habe jahrelang in verschiedenen Salons gearbeitet und konnte meine Leidenschaft leider nicht immer frei entfalten, da die Klienten in den Salons sehr klassisch waren. Seit zwei Jahren arbeite ich nun für die Keller Haircompany Heilbronn. Erst hier konnte ich meiner Kreativität so richtig freien Lauf lassen. In unserem Salon haben wir Kunden mit verschiedenen Charaktereigenschaften – von klassisch oder sportlich bis hin zu extravagant.

Durch unterschiedliche Kollektionen unseres Unternehmens, aber auch durch die Fashion Weeks, Modemagazine und durch unterschiedliche Trends aus aller Welt lasse ich mich gerne inspirieren. Ich bin meinen beiden Chefinnen dankbar dafür, dass sie mich tatkräftig bei meiner Leidenschaft unterstützen. Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit allen Kunden und allen Kreativitäten, die ich ausüben darf.“


Talkbox - Bist du kreativ? (Ute)
Ute (47), Heilbronn

„YES!!!! Das bin ich… in meinem Kopf sprudelt es vor Ideen. Ich sitze zum Beispiel im Auto plötzlich ist sie da – die Idee. Visuell sauge ich alles auf was mir gefällt, interpretiere es neu oder zeige es genauso wie es erscheint – ob in der Großstadt oder draußen in der Natur, ich finde überall meine Motive, die ich in meinem persönlichen naiv-realistischen Stil zu Papier bringe. Portraits und Aktbilder, aber auch Stillleben und Momentaufnahmen des Lebens. Gerade erst ist die Gestaltung eines neuen Etiketts für eine Marmeladenserie entstanden, die ich auch nach meinem Motto entworfen habe: Ich mal mir die Welt, wie sie mir gefällt!“


Talkbox - Bist du kreativ? (Sylvi)
Sylvi (42), Erlenbach

„Ja, bin ich. Ich male Menschen, vorwiegend Portraits mit Bleistift, Ölfarben oder Aquarell. Meine Kreativität ist eher mein Hobby, wenn ich Zeit und Muße habe, kann ich stundenlang malen. Meine Inspiration geben mir Menschen. Verschiedene Gesichter, Gesichtsausdrücke, Menschen, die in den Moment in meinen Augen das gewisse Etwas haben und eventuell auch eine Geschichte erzählen und/oder ästhetisch und sexy wirken. In meiner Wohnung hängen nur selbstgemalte und bemalte Bilder und Leinwände, es gibt kein Gekauftes.“


Talkbox - Bist du kreativ? (Kimberly)
Kimberly (27), Heilbronn

„Ich denke, dass jeder Mensch auf seine Weise kreativ ist. Ob sich das im Sinne des künstlerischen Schaffens, in den Hobbys oder einer außergewöhnlichen Denkweise zeigt – dem Ausleben der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und genau das fasziniert mich so sehr an dieser unbändigen Schöpferkraft, dass sie sich nicht im Detail definieren lässt. Meine Kreativität erstreckt sich in alle Lebensbereiche und ist gleichzeitig beruflicher Mittelpunkt, auch deshalb lautet eines meiner Tattoos „Ars vivendi“. Das bedeutet zum Beispiel: Nicht weil ich zeichnen KANN bin ich kreativ, sondern weil ich kreativ BIN, kann ich zeichnen. Und es wird immer jemanden geben, der dies und jenes besser oder schlechter kann als ich. Und das ist völlig in Ordnung.

Ich war stets ein wenig „speziell“, habe einen enormen Drang die Dinge zu hinterfragen und lass‘ mich nicht durch Willkür abspeisen. „Das kannst du so nicht machen, hier machen wir das so und so!“ – „Sagt wer?“ – und ja, das zog manches Mal seine Konsequenzen nach sich (zwinkert). Als Querdenker werde ich mitunter als rebellisch oder gar unangenehm bezeichnet. Das ist nicht immer ein schönes Gefühl. Im Endeffekt führt das jedoch lediglich dazu, dass ich unabhängig von der Meinung Fremder geworden bin. Dadurch kann ich zwischenzeitlich besser zu mir selbst stehen, bin in der Lage alte Brücken einreißen, ohne allzu lange zurückzuschauen und kann mich geistig in alle Richtungen öffnen. Somit ergeben sich immer neue Möglichkeiten, mein kreatives Denken zu erweitern und anzuwenden. Früher war ich oft aktiv auf der Suche nach Inspiration.

Je mehr ich versucht habe, neue, originelle Dinge zu entwickeln, umso weniger wollte es mir gelingen. Zumindest gefühlt. Nie war ich mit (Arbeits-) Ergebnissen zufrieden. Und es hat mich ausgelaugt, dieses ständige „höher, schneller, weiter“. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass ich alles sofort haben wollte. Seit ich angefangen habe, den Dingen Raum zu geben, finden die Impulse mich – meist in ganz alltäglichen Situationen. Manchmal ergibt sich daraus eine greifbare Sache und manchmal bleibt es nur bei ein paar Flausen im Kopf. Heute fühle ich mich damit wohl und angekommen in meinem kreativen Chaos. Wer flexibel und anpassungsfähig im Denken und Tun ist und spontan auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagiert, wird meiner Meinung nach jede Herausforderung meistern. Corona ist exemplarisch dafür, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln – man muss nur Chancen sehen wollen. Oder wie Rainer Maria Rilke sagen würde: Du musst dein Ändern leben!“


Talkbox - Bist du kreativ? (Melissa)
Melissa (26), Leingarten

„Die Frage „Bist du kreativ?“ mündet häufig selbst in einem kreativen Ausbruch. Einem Künstler selbst fällt es einfacher, die Kreativität stillschweigend zu zeigen, als mit Worte zu erklären. „Von Kunst allein kannst du dir kein Brot kaufen“, habe ich mir bis vor einigen Jahren noch hinterher sagen lassen. Heute bekomme ich das nicht mehr zu Ohren, nachdem ich meine Visionen und Ideen auf Leinwände bringe und damit dem Menschen etwas Greifbares und Sichtbares biete. Für mich ist meine Kunst eine reine Meditation und kein „Berufswunsch“ mehr.

Im Endeffekt kannst du alles als Meditation ansehen, wenn du dich darin verlierst. Die Interpretation von „verlieren“ ist dabei jedem selbst überlassen. Ich verliere mich, indem ich meine Materialien vorbereite – eine Flasche südafrikanischer Cuvée zählt dazu –, meine Playlist laufen lasse, den Pinsel in die Hand nehme und mir mit der Kunst den Staub des Alltags von der Seele wasche. Die Trance während dem Malen ist zugleich auch meine Inspiration. Gedanken schweben frei und sammeln Neues auf. Das Aufgesammelte wird wieder auf eine Leinwand gebracht. Dabei liegt der Fokus nicht im Verkauf der Bilder. Das würde mich in die Technik leiten, auch wenn es mich zeitgleich sehr stolz macht, meine Bilder in den Wohnzimmern anderer zu sehen. Kreativ sein bedeutet erschaffen. Lateinisch „creare“ – und nicht „nachdenken“ und da ich erschaffe, bin ich kreativ. Somit ist die Antwort: Ja!“


[SC]

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