Es gibt neue Musik für den Juni 2026. Kneecap mögen es deftig, Meghan Trainor schielt auf die Playlists und Drake arbeitet nach dem Motto „Viel hilft viel“.
ALBUM DER AUSGABE

Kneecap – Fenian
Wer Kneecap bisher allenfalls aus skandalheischenden Schlagzeilen kannte, hat nun noch mal die Gelegenheit, sich mit ganz frischer Musik des nordirischen Rap-Trios auseinanderzusetzen. „Fenian“ ist humorvoll, energiegeladen und kompromisslos politisch. Sowohl der sprachliche Mix aus Irisch-Gälisch und Englisch der beiden Rapper Mo Chara und Móglaí Bap als auch die Produktionen zwischen Grime, Garage und Punk verleihen der Platte unverwechselbares Lokalkolorit. Inhaltlich widmen sich Kneecap dem weltweiten Widerstand: Sowohl die irische Unabhängigkeit als auch das Eintreten für ein freies Palästina (prominent auf „Palestine“ mit Rapper Fawzi aus Ramallah) sind durchgängige Themen. „I’ll huff, I’ll puff, I’ll blow your house up“ heißt es auf dem Titeltrack, beinahe besinnlich wird es dann zum Ende mit „Irish Goodbye“. Ob es auf der angekündigten Europatour diesen Sommer auch in Deutschland ein Wiedersehen mit Kneecap gibt, muss sich hingegen noch zeigen.
Bewertung: ★★★★★

Megahn Trainor – Toy With Me
Die Dinge ein wenig anders machen, das war gewissermaßen Meghan Trainors Markenzeichen, als sie vor zwölf Jahren mit „All About That Bass“ durchstartete. Ein Zeichen für Body Positivity zu Doo-Wop-Klängen stand damals tatsächlich für sich allein. Warum die US-Amerikanerin ihr Rezept nun verwässert und ihren Sound an aktuelle Playlist-Trends angleicht, bleibt daher ihr Geheimnis. Zwar finden sich auf „Toy With Me“ immer noch Songs, die Retro-Charme mit Bubblegum-Pop kombinieren. Aber auch mehr als eine Handvoll Nummern, die genauso gut – oder besser – jede andere Sängerin hätte vortragen können. Der Opener „Get In Girl“ geht zum Beispiel ordentlich steil. Doch muss man sich mit einem Songtitel wie „Delulu“ stümperhaft an die Gen-Z anbiedern, obwohl man bereits 32 ist? Fraglich. Und ob nun „Chef’s Kiss“ oder „Princess“ Trainors potenzielles „Espresso“ sein sollen, wird auch nicht klar.
Bewertung: ★★★☆☆

Drake – Iceman
Gut zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass Drake Thema eines Disstracks war, der zum Sommerhit wurde und den Kanadier in eine wandelnde Punchline verwandelte. Wie kommt man also zurück, wenn die halbe Welt immer noch instinktiv anfängt zu cripwalken, wenn die ersten Noten von „Not Like Us“ erklingen? Jedenfalls nicht mit einem Album wie „ICEMAN“. Nach altbewährter Formel inszeniert sich Drake mal als oberster Mob-Boss von Toronto, mal als zweifelnder Softie. Auch der ein oder andere Seitenhieb in Richtung Kendrick Lamar darf natürlich nicht fehlen. Die Produktionen folgen derweil der altbekannten Formel aus Downtempo-Beats und Trap-B-Ware. Eine Neuerfindung, ein Befreiungsschlag ist das hier aber bei weitem nicht. Dass Drake neben „ICEMAN“ zeitgleich noch das Dance-Album „Maid of Honour“ und die R&B-Platte „Habibti“ veröffentlicht hat, erweitert dabei nur die Fülle an halbgaren Songs.
Bewertung: ★☆☆☆☆
Text: Florian Deckert
Wie gefällt dir die neue Musik im Juni 2026?
Lass uns deine Meinung in den Kommentaren da!
Mehr CD-Kritiken gefällig? Unsere Reviews der vergangenen Monate findest du hier:













Einen Kommentar hinterlassen