„Öffnet sich der Himmel“ von Séan Hewitt
James zieht sich nach seinem Coming Out im verschlafenen Städtchen Thornmere immer mehr in sich selbst zurück, bis er Luke kennenlernt: Einen Jungen mit unruhiger Vergangenheit und grünen Augen, die James sein Leben lang nicht vergessen kann. Ein fieberhaftes Jahr nimmt seinen Lauf…
Séan Hewitt lässt seinen Protagonisten in „Öffnet sich der Himmel“ auf die Zeit zurückblicken, in der seine Jugend dem Drang wich, erwachsen zu werden. Der 16-jährige James lebt mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Eddie in bescheidenen und dennoch gefestigten Verhältnissen. Er kennt Thornmere in- und auswendig, doch für sich selbst sieht er dort keinen Platz. Insbesondere nachdem seine Homosexualität ihn für die Dorfbewohner*innen als „anders“ zeichnet. Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher, als eine reale Verbindung zu jemandem zu spüren. Diese glaubt er, in Luke gefunden zu haben. Der verbringt das Jahr auf dem Hof von Verwandten und sehnt sich nach seinem in Schwierigkeiten geratenen Vater. Die beiden Außenseiter werden Freunde, doch James lebt in einem ständigen Strudel aus Verlangen und Enttäuschung.
Schier erdrückende Einsamkeit in einem Haus voller Familie, die Kluft zwischen kindlichen Bedürfnissen und wildem Unabhängigkeitsdrang, das Baden in unerwiderter Liebe: Hewitt lässt uns die breite Gefühlspalette der Jugend mal genüsslich, mal gequält nachempfinden. Da die Geschichte aus James’ erwachsener Perspektive heraus erzählt wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Erinnerung. Dadurch bleiben einige Fragen unbeantwortet – so auch die, ob die erste Liebe uns je verlässt.
Séan Hewitt verfasste bereits mehrere Gedichtbände sowie seine Memoiren „All Down Darkness Wide“, die mit dem Rooney Prize for Irish Literature ausgezeichnet wurde. „Öffnet sich der Himmel“ ist sein erster Roman, der am 21.07.2025 im Suhrkamp Verlag erschien.
Text: Dana Wedowski











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