Talkbox: Was bedeutet für dich Frieden?

Talkbox: Was bedeutet für dich Frieden?

Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Frieden sprechen? Beim Grundprinzip sind wir uns wahrscheinlich einig. Aber woher unsere Vorstellungen kommen – und wie wir sie Realität werden lassen, das sieht wahrscheinlich jede*r ein bisschen anders. Wir haben uns in Heilbronn umgehört und drei Menschen nach ihren Gedanken gefragt.


Guilherme (36), Heilbronn

Im utopischen Sinn ist Frieden ein Zustand, in dem Konflikte ohne jegliche Form von Gewalt gelöst werden. In meinem Alltag ist Frieden aber viel greifbarer. Er bedeutet, dass mein Verhalten und Handeln im Einklang mit meinen inneren Werten steht – gegenüber Freunden, Kolleg*innen, Fremden – und basiert vor allem auf Respekt und Empathie. Als in Brasilien geborener und aufgewachsener Mensch war Krieg für mich etwas aus Geschichtsbüchern, Filmen, fernen Nachrichten oder Videospielen. Doch nach 15 Jahren in Deutschland spüre ich zunehmend, wie Kriege global wirken und uns alle betreffen. Frieden wird leider von vielem bedroht: Gier, Ungleichheit, Fanatismus, Nationalismus, fehlende Bildung, technologische Umbrüche – und, und, und. Was ich tun kann? Verantwortungsvoll handeln – im Alltag und an der Wahlurne.


Antonia (26), Heilbronn

Frieden bedeutet für mich mehr als die Abwesenheit von Krieg oder anderen Formen von Gewalt. Für mich versteht sich Frieden als aktiver, gelebter Zustand, der Respekt, Empathie und die Anerkennung des Anderen als gleichwertig voraussetzt. Eine von Offenheit und Achtung geprägt Haltung einzunehmen ist für mich etwas, das ein jeder oder eine jede auf persönlicher Ebene für aktiven Frieden tun kann. Dauerhafter Frieden erfordert allerdings mehr, als das Individuum leisten kann: Auf gesellschaftlicher Ebene müssen strukturelle Ungleichheiten abgebaut und dafür Strukturen geschaffen werden, die beständigen Frieden ermöglichen. Die unbedingte Wahrung der Menschenwürde, sowie Zugang zu Bildung und politischer Teilhabe bilden für mich das Fundament für fortdauernden Frieden.


Kassandra (41), Ilsfeld

Für mich beginnt Frieden im Inneren. Viele Konflikte in der Welt entstehen, weil wir uns selbst nicht wirklich kennen. Wir setzen uns zu wenig mit unseren eigenen Gefühlen, Prägungen und inneren Verletzungen auseinander. Stattdessen lenken wir uns ab, schauen ständig nach außen und verlieren so den Kontakt zu uns selbst. Wenn wir innerlich nicht im Gleichgewicht sind, fällt es uns schwer, tolerant, geduldig und offen mit anderen umzugehen. Nichts ist für mich wichtiger als ein Leben in Liebe und Frieden. Sie sind der Schlüssel zu echter Menschlichkeit. Trotz allem scheint weltweiter Frieden noch immer schwer erreichbar, dabei liegt ein Teil der Lösung oft in Selbsterkenntnis und Mitgefühl. Ich setze mich für Frieden ein, indem ich versuche, mich selbst besser zu verstehen, achtsam zu leben und anderen mit Respekt zu begegnen. Nur wer in sich selbst Frieden findet, kann auch Frieden weitergeben.

Umfrage: Saban Camili


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