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BLACK IS BEAUTIFUL

Von Busola Oyenubi

Sind das deine echten Haare? Wie wäschst du deine Haare? Negerküsse. Habt ihr in Afrika Häuser? Sag mal was auf „Afrikanisch“. Du bist echt hübsch für eine Schwarze. Ne, sie ist mir zu dunkel. Wie kämmst du deine Haare? Guck mal, sie ist so dunkel wie die Nacht. Schwarze Mädchen sind voll hässlich. Sie sprechen aber gut Deutsch. Warum sind Schwarze immer so laut? Riecht ihr alle so stark nach Kokos oder Kakao? Warum bist du so dunkel?


Ich könnte noch mindestens 50 weitere Aussagen hier aufzählen. Denn sie begleiten mich und meine Freunde schon unser Leben lang. Im Laufe der Zeit habe ich angefangen, solche Aussagen zu belächeln oder zu verdrängen. Aber Fakt ist, dass solche Aussagen nicht nur rassistisch und ignorant sind, sondern auch extrem verletzend. Es gab Tage, da stand ich vor dem Spiegel und ich wünschte mir heller zu sein, eine kleinere Nase und glattes Haar zu haben – nur um endlich akzeptiert zu werden. Als ob das nicht genug wäre. Es ist ermüdend, wenn einem die Eltern von klein auf immer wieder sagen, man solle doppelt so hart arbeiten, um anerkannt zu werden und seine Ziele zu erreichen. Dies wiederum impliziert, dass ein Misserfolg doppelt so schlimm war.

Und nun mit 26 Jahren spüre ich immer noch die Ignoranz, die uns umgibt. Ignoranz ist die Wurzel aller rassistischen Überzeugungen. Sei es zu Hause, bei der Arbeit, mit Freunden oder in den Nachrichten. Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, würde ich meinem jüngeren Ich raten, möglichst schnell genügend Kraft aufzubauen, um für sich selbst einzutreten, unabhängig von der Zustimmung oder Ablehnung anderer Menschen. Denn Vielen mangelt es oft an Wissen und Einfühlungsvermögen für rassistischen Themen. Ich würde meine Stimme nutzen, um andere wissen zu lassen, welche Wirkung ihrer Worte auf mich haben. Welche Narben sie hinterlassen. Ich denke wir können alle dazu beitragen, das gesellschaftliche Konstrukt von „Rassen“ auf jede erdenkliche Art und Weise zu lösen.

Ich möchte diese Seiten nutzen, um Leser zu ermutigen, sich weiter zu bilden, um eine gewisse Sensibilität für rassistische Themen zu entwickeln. Denn ich träume von einer Welt ohne Rassismus; einer Welt, in der ich meinen Kindern nicht erklären muss, warum fremde Menschen auf der Straße sie das N-Wort nennen. Ich möchte meinen Kindern stattdessen sagen, wie schön sie sind, weil sie sind, wer sie sind! Eine Welt, in der sie ihre Träume verfolgen können, ohne sich mit anderen vergleichen zu müssen. Ich möchte ihnen sagen können, dass es nur eine menschliche Rasse gibt, die voller Liebe zur Vielfalt ist. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Worten einen Teil von euch berührt habe, der wirklich an eine menschliche Rasse glaubt.

Über die Autorin:
Busola Oyenubi (26), Stuttgart, geboren und aufgewachsen in Nigeria, kam als Kind nach Deutschland, studierte in Europa und Asien und lebt seit über 15 Jahren in Deutschland.


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